Presse 2006–2011

2011
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CD-Rezen­si­on:
“fascht dihei

Sing­frau­en Winter­thur und schmaz
Platz 10 der besten CDs im 2011:

ZWEI SPITZENCHÖRE MACHEN HEIMATLIEDER VONSTÄGELI UFBIS MANI MATTERSDENE, WOS GUET GEITZU GROSSER KUNST

Die Sing­frau­en Winter­thur (Ltg. Fran­zis­ka Welti) und der schmaz — schwu­ler männer­chor zürich (Ltg. Karl Scheu­ber) — singen und musi­zie­ren zusam­men mit dem Ensem­ble der Fränz­lis da Tschlin an zwei Konzer­ten im Konser­va­to­ri­um Zürich. Die Live­auf­nah­me verei­nigt Stücke der Fränz­lis und Lieder aus der Schweiz, von Matter über Burk­hard bis Beul, vom Volks­lied über den Natur­jo­del bis zur Neukom­po­si­ti­on von Dani­el Fueter.

Die Sing­frau­en Winter­thur wurden 1998 gegrün­det. Die über 40 Sänge­rin­nen pfle­gen eine stilis­ti­sche Viel­falt vom Volks­lied über geor­gi­sches Lied­gut, klas­si­sche Werke der Frau­en­chor­li­te­ra­tur bis zur zeit­ge­nös­si­schen Musik …

Sonn­tags­zei­tung, 11. Dezem­ber 2011
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Begeg­nung 3

FASZINIERENDE FRAUENSTIMMEN

Arnold Sigg

Aufse­hen­er­re­gend: Wohl noch nie sind geor­gi­sche Volks­lie­der in der 908 Jahre alten Müns­ter­kir­che Schaff­hau­sen erklun­gen. Und dabei gleich haufen­wei­se: Liebes-, Tanz- sowie auch sons­ti­ge Volks­wei­sen. Möglich mach­ten das die bekann­ten Sing­frau­en Winter­thur, 38 an der Zahl, sowie der geor­gi­sche Frau­en­chor Tutar­che­la (Mond­licht), bestehend aus zwölf aufge­stell­ten Sänge­rin­nen im Trach­ten­look.

Seit 2006 sind die Sing­frau­en und der geor­gi­sche Frau­en­chor freund­schaft­lich mitein­an­der verbun­den, was sich in gegen­sei­ti­gen Besu­chen mani­fes­tiert. Gelei­tet werden die Sing­frau­en Winter­thur übri­gens von der initia­ti­ven Voll­blut­mu­si­ke­rin Fran­zis­ka Welti, welche heute am Konser­va­to­ri­um Winter­thur Gesang unter­rich­tet. Vor zwei Jahren erhielt sie sogar den Kultur­preis der Stadt Winter­thur. Und der Frau­en­chor aus Geor­gi­en steht unter der Leitung der tempe­ra­ment­vol­len Sänge­rin Tamar Buad­ze.

Das Müns­ter gab den impo­nie­ren­den Rahmen für den gemein­sa­men Auftritt. Gegen zwei­hun­dert Besu­cher, vorwie­gend aus dem zürche­ri­schen Wein­land, kamen in den Genuss eines Frau­en­chor­kon­zer­tes der Super­la­ti­ve mit insge­samt 29 Volks­lie­dern aus Vorder­asi­en und der Schweiz. Übri­gens: Der Nach­hall der Müns­ter­akus­tik stör­te in keiner Weise, ja gehör­te eigent­lich dazu. Denn auch Geor­gi­en ist wie die Schweiz ein gebir­gi­ges Land, und somit ist man mit über­schnei­den­den Echo­lau­ten in Volks­wei­sen vertraut.

Beein­dru­ckend am abwechs­lungs­rei­chen Konzert waren die von beiden Chören gesun­ge­nen Lieder, voller Lebens­freu­de aus dem Folk­lo­re­schatz des multi­eth­ni­schen Kauka­sus, oft umspült mit einer leisen Trau­rig­keit und Melan­cho­lie. Deren exoti­sche und doch vertrau­te Klän­ge berühr­ten die Zuhö­rer unmit­tel­bar. Die Volks­lie­der mit solis­ti­schen Einla­gen lies­sen schwe­re­lo­se, volu­mi­nö­se Klang­tep­pi­che durch die Klos­ter­kir­che schwe­ben.

Mit expres­si­vem und virtuo­sem Gesangs­stil sowie mit unge­wöhn­li­chen Klang­far­ben bril­lier­ten die geor­gi­schen Frau­en allein. Oft beglei­tet von rhyth­mi­schen Zupf­in­stru­men­ten und einer Hirten­flö­te sowie von Tänzen. Die beein­dru­cken­den Volu­men­stär­ken jeder Sänge­rin fielen dabei auf, sodass man gänz­lich der Faszi­na­ti­on dieser geor­gi­schen Frau­en­stim­men erlag. Und gemein­sam mit den Sing­frau­en, nota­be­ne übri­gens alles auswen­dig singend, begeis­ter­ten beson­ders schwei­ze­ri­sche Volks­lie­der, wie “Gang rüef de Bruune” und “S’isch mer alles ei Ding”, mit moder­nem Touch.

Den hinreis­sen­den Abschluss bilde­te der rasan­te origi­nel­le “Moos­ru­ef”. Mit stür­mi­schen Stan­ding Ovations bedank­te sich das Publi­kum nach andert­halb Stun­den für dieses sansa­tio­nel­le Gesangs­kon­zert.

Schaff­hau­ser Nach­rich­ten, 6. Juni 2011
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2010
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in para­di­sum – alte und neue sakra­le gesän­ge”

Anna Kardos

WENN SINGFRAUEN MIT JAZZERN ANBANDELN

Zürich, Augus­ti­ner­kir­che — Zuge­ge­ben, der Name “Sing­frau­en Winter­thur” kann schon ein wenig nach selbst geba­cke­nem Kuchen und Lied­chen­träl­lern tönen. Aber weit gefehlt! Selten hat man ein Konzert gehört, an dem Amateu­re mit so viel Können und so wenig Nervo­si­tät auftra­ten und an dem so viel Verschie­de­nes zu einem begeis­tern­den Gesamt­bild zusam­men­fand — das war Dialek­tik von ihrer sinn­lichs­ten Seite! Man stel­le sich vor: Rund 40 Laien­sän­ge­rin­nen studie­ren mit ihrer Diri­gen­tin Fran­zis­ka Welti ein knapp zwei­stün­di­ges Programm auswen­dig (!) ein. Sie tun sich mit illus­tren Jazzern wie Pierre Favre, Michel Godard und Gavi­no Murgia zusam­men; sie impro­vi­sie­ren, treten solis­tisch auf und insze­nie­ren die Musik auch räum­lich — das alles mit fast para­die­si­scher Selbst­ver­ständ­lich­keit.

in para­di­sum” heisst auch ihr Programm mit reli­giö­sen Gesän­gen, die entwe­der aus dem Mittel­al­ter und der Renais­sance (von Hraba­nus Maurus bis Orlan­do die Lasso) oder aus unse­rer Zeit (etwa von Agne­ta Sköld, Michel Godard) stam­men. Ob alt oder neu, beiden Arten von Musik gemein war die klin­gen­de Spiri­tua­li­tät. Auch dem Chor war sie nicht fremd. Sanft und hell klan­gen die Stim­men, sorg­sam achte­te man auf den Zusam­men­klang, und gera­de­zu liebe­voll traf man sich auf den Schluss­ak­kor­den — einträch­tig, fast wie in einem Frau­en­klos­ter … 

Tages-Anzei­ger, 9. März 2010
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2007
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FARBIGER MUTTERLÄNDISCHER LIEDERKRANZ

Ramo­na Früh

… “Aus Helve­ti­as Fundus — ein mutter­län­di­scher Lieder­kranz” heisst das aktu­el­le Programm der Sing­frau­en Winter­thur, das am Sonn­tag­abend im Thea­ter am Gleis Premie­re hatte. Wer bei diesem Titel an etwas altmo­di­sche, verstaub­te Volks­lie­der denkt, liegt beim “etwas ande­ren Frau­en­chor” völlig falsch. Fran­zis­ka Welti hat mit den rund fünf­zig Frau­en ein beein­dru­cken­des Programm mit tradi­tio­nel­len, teils unbe­kann­ten, teils ohrwum­ver­däch­ti­gen Liedern einstu­diert. Dass die Sing­frau­en mit ihren Konzer­ten entzü­cken können, hat sich schon herum­ge­spro­chen …

Perlen der Schwei­zer Musik

… Bei den Anwe­sen­den … riefen die tradi­tio­nel­len Schwei­zer Volks­lie­der viele Erin­ne­run­gen wach … Es war eine Rück­be­sin­nung auf die eige­ne Heimat, welche Fran­zis­ka Welti mit dem kontrast­rei­chen und doch stilis­tisch ausser­or­dent­lich stim­mi­gen Programm ins Werk gesetzt hat … Beispiels­wei­se das Lied “Anne­li, wo bisch geschter gsi” und das “Guggis­ber­ger­lied” präsen­tier­ten die Sing­frau­en in geschmack­vol­len Arran­ge­ments von Mari­an­ne Raci­ne, während sie in “Du fragsch mi wär i bi” nur schon durch die wunder­schö­ne Ausfüh­rung und die Ausge­wo­gen­heit von erster und zwei­ter Stim­me gefie­len … “Es wott es Frau­e­li z’Märit gah” studier­ten sie eben­so auswen­dig und mit klei­ner Choreo­gra­fie ein wie das unbe­kann­te­re “D’Appezeller Määte­li”. Nie aufge­setzt wirk­ten die Bebil­de­run­gen der Lieder durch die Choreo­gra­fin Nelly Büttiko­fer … Doch beson­ders die trau­ri­gen Lieder berühr­ten, und der volle Klang des Chores kam hier beein­dru­ckend zur Geltung …

Eine souve­rä­ne Leis­tung

Eine weite­re Tradi­ti­on stell­ten die gejo­del­ten “Zäuer­li” dar, die die Frau­en mit Juch­zern, Kuhge­läut, Taler­schwin­gen und Händen in den Hosen­ta­schen in verschie­de­nen Liedern wie dem “Chüehrei­he­li” oder dem “Vill­gau­er” so bestechend darstell­ten, als wenn sie nie etwas ande­res gesun­gen hätten … Alle Betei­lig­ten haben die gros­se Heraus­for­de­rung souve­rän gemeis­tert.

Der Land­bo­te, 6. Novem­ber 2007
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Begeg­nung 1

WENN FRAUENGESANG LÄNDER VERBINDET

Mari­sa Eggli

Was im letz­ten Okto­ber in Geor­gi­en begann, geht nun in Winter­thur weiter: die Begeg­nung der Frau­en­chö­re “Tutar­che­la” und “Sing­frau­en”.

Sie sind wirk­lich spon­tan: Weil dem Foto­gra­fen das Licht im Saal der Kirch­ge­mein­de Velt­heim zu dunkel ist, proben die “Sing­frau­en” mit ihren zwölf Besu­che­rin­nen aus Geor­gi­en halt im Garten. Und wollen nach den gemach­ten Bildern kaum mehr rein …

Verstän­di­gung ohne Worte

Bereits vor eini­gen Jahren hatten wir ein geor­gi­sches Lied in unse­rem Reper­toire”, sagt Fran­zis­ka Welti, Grün­de­rin der “Sing­frau­en”. Als diese dann einen Film der deut­schen Doku­men­tar­fil­me­rin Ruth Olshan über geor­gi­sche Musik gese­hen hatte, nahm sie Kontakt auf zum porträ­tier­ten Frau­en­chor. Die Freund­schaft mit “Tutar­che­la” fand ihren Anfang.

Mitein­an­der spre­chen können die Frau­en zwar kaum … Dafür hätten sie stun­den­lang zusam­men gesun­gen, geprobt und getanzt … So haben die “Sing­frau­en” 30’000 Fran­ken an Spon­so­ren­gel­dern gesam­melt, um diesen Austausch zu ermög­li­chen und gemein­sam mit “Tutar­che­la” in der Schweiz auftre­ten zu können.

Jung und doch renom­miert

Erst 2004 gegrün­det, hat der Chor “Tutar­che­la” bereits viele Auszeich­nun­gen und Prei­se in Geor­gi­en gewon­nen … Für die Konzer­te haben die Frau­en von “Tutar­che­la” als auch die “Sing­frau­en” Volks­lie­der aus dem Reper­toire des andern Chors gelernt, damit sie an den Auftrit­ten auch einen gemein­sa­men Teil haben.

So singen Geor­gie­rin­nen und Schwei­ze­rin­nen gemein­sam “Du fragsch mi, wer i bi” auf Bern­deutsch mit so viel Sehn­sucht, dass sogar der Foto­graf Gänse­haut bekommt …

Der Land­bo­te, 12. Mai 2007
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2006
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VOGELFREIESINGFRAUENTOUR DU MONDE

… Die Winter­thu­rer “Sing­frau­en” zogen ande­re Saiten auf. Die mit gut fünf­zig Sänge­rin­nen leicht stär­ke­re Forma­ti­on beschränk­te sich bei diesem Anlass auf Volks­lie­der aus dem nähe­ren Kultur­kreis sowie aus Osteu­ro­pa. Auch wenn die Frau­en­the­ma­tik in diesem Ensem­ble sicher­lich nicht ausge­blen­det wird, so geht es Fran­zis­ka Welti doch in erster Linie um die Musik, und dafür nehmen die Sänge­rin­nen immer wieder anstren­gen­de Stimm­bil­dungs­lek­tio­nen in Kauf. Ein dyna­mi­scher und wand­lungs­fä­hi­ger Klang sind die Früch­te dieser Bemü­hun­gen. Und auch dieser Chor verfügt mit Mayte Frey und Nina Kuhn über stimm­lich bestens präpa­rier­te Solis­tin­nen.

Nach der Pause fusio­nier­ten die beiden Ensem­bles zu einem Frau­en­chor von ansehn­li­cher Grös­se. Sprit­zi­ge Volks­lie­der von Südafri­ka über den Balkan bis in die Schweiz brach­ten die Sänge­rin­nen wie auch das Publi­kum in Bewe­gung. Mit Poppi­gem und Welt­mu­sik aus England, USA und Südafri­ka wurde schliess­lich der Bogen zurück zum Reper­toire der “Vogel­frei­en” gespannt. Zwar zeig­ten sich die Frau­en auch a cappel­la stark, doch ohne die Musi­ke­rin­nen Cris­ti­na de Simo­ni (Klavier), Violet­ta Mano­jan (Akkor­de­on), Sibyl­le Raths (Perkus­si­on) und Jojo Kunz (Kontra­bass) hätte der Abend an Rhyth­mus und Farbig­keit viel einge­büsst. Der Lärm der vorbei­ei­len­den Züge am Lager­platz 27 mach­te den Akteu­rin­nen zuwei­len arg zu schaf­fen, war aber der Preis für diese in mehr als einer Hinsicht coole Loca­ti­on auf dem Sulzer­are­al.

Der Land­bo­te, 19. Juni 2006