Presse

2017
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Martin Huber

… ansons­ten mit renom­mier­ten profes­sio­nel­len Musi­kern besetzt, die Bühne frei für einen gros­sen Laien­chor. Was die Chor­lei­te­rin Fran­zis­ka Welti mit den gut 40 Frau­en in knapp 90 Minu­ten hinzau­bert, verwischt die Gren­zen dessen, was gemein­hin den Unter­schied ausmacht und kehrt ihn ins Gegen­teil. Wo ein profes­sio­nel­ler Chor viel­leicht mehr Volu­men umsetzt, gereicht der wohl­do­sier­te Umgang mit den vorhan­de­nen Mitteln einem homo­ge­nen, immer fein into­nier­ten und vari­ie­ren­den Chor­klang zum Vorteil. Unter­stützt wird der Frau­en­chor von Chris­toph und Magda­le­na Peter: zwei unver­schämt versier­ten Instru­men­ta­lis­ten auf alten Instru­men­ten. Gems­hör­ner, Dudel­sä­cke, Schal­mei­en und Pommer gestal­ten diese musi­ka­li­sche Reise quer durch den euro­päi­schen Konti­nent. Es ertö­nen Liebes- und Trink­lie­der, Geist­li­ches und Welt­li­ches wird ausge­brei­tet, die alten, unbe­kann­ten Instru­men­te werden dezent vorge­stellt, alles drama­tur­gisch klug insze­niert. Das ist Konzert­päd­ago­gik vom Feins­ten. Ein Lob den Sänge­rin­nen, der Leite­rin und den Instru­men­ta­lis­ten für einen hoch unter­halt­sa­men, heraus­ra­gen­den Konzert­abend mit viel Publikum!

Beila­ge der Zeitung “refor­miert.”, Witi­kon, 28. Juli 2017

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Vreni Winze­ler

Bericht Schaff­hau­ser Nachrichten

Schaff­hau­ser Nach­rich­ten, 11. Juli 2017

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2016
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EINDRÜCKLICHE VERBINDUNG VON MUSIK UND RAUM

Gise­la Zweifel-Fehlmann

Inspi­riert vom Text von Klaus Merz: “Tiefe Himmel weite Welt leise wiegen mutig gehen”, einer Inschrift im Winter­thu­rer Fried­hof Rosen­berg, schuf der Kompo­nist Andre­as Stahel in einzig­ar­ti­ger Ausdrucks­wei­se musi­ka­li­sche Ausbli­cke in die letz­ten Dinge des mensch­li­chen Daseins. Mit Fran­zis­ka Welti und ihren drei Frau­en­chö­ren fand er konge­nia­le Part­ne­rin­nen für seine Musik.

Gemein­sam brach­ten sie in sich ändern­den räum­li­chen Aufstel­lun­gen und durch singen­des Wandeln die Erha­ben­heit des Müns­ters zu einma­li­ger Wirkung.

… Fran­zis­ka Welti ist eine inno­va­ti­ve Chor­lei­te­rin, die moder­ne Expe­ri­men­te nicht scheut und zusätz­lich über ein beacht­li­ches Hinter­grund­wis­sen über sehr alte Musik verfügt. Mit ihren hoch quali­fi­zier­ten Frau­en­chö­ren hat sie sich einen beacht­li­chen Namen erar­bei­tet. Gemein­sam mit Andre­as Stahel und dessen Ehefrau, der Tänze­rin Ana Tajoui­ti Stahel, welche eine Choreo­gra­fie für die Sänge­rin­nen geschaf­fen hatte, liess sie ihre Kennt­nis­se von mittel­al­ter­li­cher Musik bereits in den krea­ti­ven Entste­hungs­pro­zess einflies­sen. Mittel­al­ter­li­che Grego­ria­nik, inni­ge Mari­en­ge­sän­ge und archai­sche Spiel­manns­wei­sen münde­ten naht­los in farbi­ge Klang­ge­we­be, repe­ti­tiv rausch­haf­te Osti­na­to-Muster im post­mo­der­nen Stil, getoppt von folk­lo­ris­ti­schen Jodel­mo­ti­ven, jazzig Groo­vi­gem und Obertongesang.

Sie bilde­ten eine voll­kom­me­ne Einheit mit dem Raum: Klang­wol­ken von ober­tö­ni­gen, reinen Oktav- und Quint­klän­gen schweb­ten bis in die Höhen des Kirchen­schiffs und zogen die Zuhö­rer in einen medi­ta­ti­ven Sog …

… Von eindrück­li­cher Symbo­lik war die letz­te Klang­flä­che “mutig gehen”, durch­wo­ben von Gesang als ruhi­ges, vertrau­ens­vol­les Vorwärts­schrei­ten, weg vom Zuhö­rer, wie ein Über­gang in eine ande­re Welt der Ewigkeit.

Schaff­hau­ser Nach­rich­ten, 12. April 2016

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DIE SINGFRAUEN UND DIEWEITE WELT

Sibyl­le Ehrismann

Tiefe Himmel, weite Welt” ist das poeti­sche Motto dieser abend­fül­len­den Kompo­si­ti­on, die der Winter­thu­rer Flötist und Kompo­nist Andre­as Stahel aus archai­schen Gesän­gen aus dem Mittel­al­ter, der Früh­re­nais­sance und seinen eige­nen neuen Stücken zusam­men­ge­stellt hat. Die Inspi­ra­ti­on dazu bot das Gedicht von Klaus Merz (gebo­ren 1945), welches dieser für die trans­pa­ren­ten Schrift­plat­ten des neuen Krema­to­ri­ums Rosen­berg geschrie­ben hat: “Tiefe Himmel / weite Welt / leise wiegen / mutig gehen”. Andre­as Stahel hat dieses markant “gemeis­sel­te” Gedicht für Frau­en­chor und drei Instru­men­te vertont. Und er hat seine “mini­ma­lis­ti­sche” Musik mit Werken aus dem “Llibre Vermell de Monts­er­rat” (14. Jahr­hun­dert) und ande­ren Gesän­gen aus der Früh­re­nais­sance und der Notre- Dame-Schu­le verbun­den. Fran­zis­ka Welti, die enga­gier­te Leite­rin der Sing­frau­en Winter­thur, hat für diese Auffüh­rung keinen Aufwand gescheut und hat die rund 70 Sänge­rin­nen aus ihren drei Chören (Sing­frau­en Winter­thur, Sing­frau­en Berlin und Vokal­ensem­ble vox femin­ae der Zürcher Hoch­schu­le der Küns­te, ZHdK) zusammengerufen.

… So entste­hen immer wieder neue und über­ra­schen­de Hörerleb­nis­se, und Alt und Neu flies­sen stilis­tisch sanft inein­an­der über, als würden da nicht Hunder­te von Jahren dazwi­schen­lie­gen. Und plötz­lich, in den viel­stim­mig schwe­ben­den Klang­flä­chen von Andre­as Stahel, hebt sich ein archai­scher Jodel ab. Eine Grup­pe von Sänge­rin­nen lässt sich davon anste­cken, sie alle jodeln in der urchi­gen Tech­nik der Pygmäen.

… Moda­le Klang­schich­tun­gen, aber auch groo­ven­de Mini­mal-Music-Moti­ve verbrei­ten mystisch anmu­ten­de Klänge …

… Die Drama­tur­gie war klar und doch flies­send, und die rhyth­mi­sier­te­ren Gesän­ge beka­men in diesem “Klang­feld” einen eigen­tüm­li­chen Reiz …

… Das Publi­kum ging den ganzen Abend lang gebannt mit und spen­de­te langen, beherz­ten Applaus.

Der Land­bo­te, 11. April 2016

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2015
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CD-Rezen­si­on:
… und hat ein blüm­lein bracht – weih­nachts- und winter­lie­der aus aller welt”

WEIHNACHTS- UND WINTERLIEDER DER SINGFRAUEN

Helmut Dwor­schak

Es ist nicht ganz einfach, sich in Weih­nachts­stim­mung zu brin­gen, wenn man zuge­deckt ist mit Termi­nen und neben­bei auch noch Geschen­ke einkau­fen muss. Da kommt die neue CD der Sing­frau­en Winter­thur gera­de recht. 25 weit­ge­hend unbe­kann­te Weih­nachts- und Winter­lie­der sind darauf enthal­ten, getra­ge­ne wie ausneh­mend fröh­li­che. Letz­te­re stam­men vornehm­lich aus osteu­ro­päi­schen Regio­nen, wohin die Sing­frau­en gerne musi­ka­li­sche Ausflü­ge unter­neh­men. Sänge­risch über­zeugt der von Fran­zis­ka Welti gelei­te­te Chor einmal mehr, die Stim­men klin­gen wunder­bar klar. Das Zürcher Posau­nen­quar­tett steu­ert Canzo­nen aus dem Früh­ba­rock bei. Die Aufnah­men stam­men aus zwei Konzer­ten im Dezem­ber 2014…

Der Land­bo­te, 12. Dezem­ber 2015

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KRISTALLKLARER WOHLKLANG

Helmut Dwor­schak

Die Sing­frau­en Winter­thur haben am Frei­tag unbe­kann­tes Lied­gut aus dem Osten zum Leben erweckt.

Zaspo Janko”, Janko ist unter einer Pappel einge­schla­fen – das Liebes­lied aus Kroa­ti­en wurde mit kris­tall­kla­rem Klang und perfek­tem Wech­sel zwischen laut und leise vorge­tra­gen. Was immer der Sire­nen­ge­sang in Janko ausge­löst haben mag, geschla­fen hat er danach bestimmt nicht mehr.

Auf einen reich­hal­ti­gen “musi­ka­li­schen Streif­zug” bega­ben sich die Sing­frau­en Winter­thur am Frei­tag in der gut besuch­ten refor­mier­ten Kirche Rosen­berg. Vor allem Osteu­ro­pa kam zum Zug, auch Jodel­quar­tet­te aus der Schweiz waren darun­ter. Weit­ge­hend unbe­kann­tes, in kräf­ti­gen Farben gehal­te­nes Lied­gut war auch dabei. Begeis­ternd die unge­mein leben­di­ge Darbie­tung, die man so höchs­tens bei einem Opern­chor finden wird. Die von Fran­zis­ka Welti sehr gut ange­lei­te­ten Sänge­rin­nen trugen sich gegen­sei­tig und mit ihnen das Publi­kum in eine eupho­ri­sche Stim­mung hinein, ganz beson­ders bei einem Volks­lied im grie­chisch-kala­bri­schen Dialekt und einem Lied der italie­ni­schen Frie­dens­be­we­gung von 1916. Immer wieder traten Sänge­rin­nen solis­tisch, zu dritt oder zu viert hervor – alle mach­ten ihre Sache hervor­ra­gend. Das Instru­men­taltrio mit Jürgen Kupke, Klari­net­te, Hans Hass­ler, Akkor­de­on, und Markus Lauter­burg, Perkus­si­on, ergänz­te den Chor mit subtil zurück­hal­ten­der Beglei­tung und expres­si­ven Impro­vi­sa­tio­nen. Andert­halb Stun­den vergin­gen wie im Flug.

Der Land­bo­te, 30. März 2015

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2014
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ADVENTSKONZERT
Mit 50 Frau­en­stim­men auf eine musi­ka­li­sche Winterreise

Chris­ti­na Schaffner 

Lieder aus aller Welt boten die Winter­thu­rer Sing­frau­en und das Zürcher Posau­nen­quar­tett am Sonn­tag in der Kirche Andelfingen

Mal mitreis­send fröh­lich, dann wieder getra­gen präsen­tier­ten die Sing­frau­en Winter­thur und das Zürcher Posau­nen­quar­tett ihr Konzert­pro­gramm. Mit advent­li­chen und winter­li­chen Liedern versetz­ten sie die Zuschau­er in der sehr gut gefüll­ten Andel­fin­ger Kirche in vorweih­nacht­li­che Stimmung.
Dabei durf­ten auch Klas­si­ker wie “Es ist ein Ros entsprun­gen”, das die Sing­frau­en unter der Leitung von Fran­zis­ka Welti in zwei Vari­an­ten into­nier­ten, nicht fehlen. Gros­sen Anklang fanden aber vor allem die fröh­li­chen Lieder aus östli­chen Ländern wie etwa das “Kiria­le­sa” aus Geor­gi­en. Aus West­eu­ro­pa kamen dage­gen die getra­ge­nen Werke, die die Sing­frau­en perfekt aufein­an­der abge­stimmt wunder­bar zur Geltung brach­ten. So begeis­ter­ten sie mit “Dorma, dorm’ uffant divin” aus der Schweiz und “The holly and ivy girl” aus Irland…

…Das Zürcher Posau­nen­quar­tett beglei­te­te nicht nur den Chor, sondern präsen­tier­te seiner­seits stim­mungs­vol­le Werke aus dem 16. und 17. Jahr­hun­dert. Ob “Canzon” von Samu­el Scheidt oder “Sona­ta” von Dani­el Speer – die vier jungen Männer versetz­ten die Zuhö­rer in ande­re Welten.

Schaff­hau­ser Nach­rich­ten, Dezem­ber 2014

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CD-Rezen­si­on:
ostwärts – lieder aus dem osten euro­pas

FRÖHLICHE POLYFONIE

Helmut Dwor­schak

Zwan­zig Lieder aus Osteu­ro­pa versam­meln die Sing­frau­en Winter­thur auf ihrem Album “ostwärts”. Am Wochen­en­de treten sie zudem mit Weih­nachts- und Winter­lie­dern auf.

Auf ihrem neus­ten Album reisen die Sing­frau­en Winter­thur in ihre zwei­te Heimat, nach Osteu­ro­pa, und die Lieder klin­gen so frisch, dass keine Wünsche offen­blei­ben. “Lieder” seien es, heisst es im Book­let, die “das ganze volle Leben” besin­gen, von Abschied und Sehn­sucht bis zur verzwei­fel­ten Klage und zum Spott­lied. Enge Bezie­hun­gen pfle­gen die Sing­frau­en und ihre Leite­rin Fran­zis­ka Welti insbe­son­de­re zum geor­gi­schen Frau­en­chor Tutar­che­la, der kürz­lich bereits zum drit­ten Mal besucht wurde.

Durch­sich­tig und klar

Fast die Hälf­te der Lieder stammt denn auch aus Geor­gi­en, weite­re etwa aus Kroa­ti­en und Bulga­ri­en. Immer wieder ist man über­rascht von der Präzi­si­on und Klar­heit der Stim­men, welche die komple­xe Poly­fo­nie gut hörbar werden lässt, und man versteht, weshalb die geor­gi­sche Vokal­tra­di­ti­on 2001 zum Unesco-Welt­erbe erklärt wurde.

Wehmü­ti­ge Lieder wech­seln sich ab mit sprit­zi­gen Tanz­lie­dern, die so frech und fröh­lich klin­gen, wie man das von hiesi­gen Chören selten zu hören bekommt. Unbe­kannt und auf eine span­nen­de Art fremd­ar­tig muten auch manche der Kompo­si­tio­nen an. Mit diesen zwan­zig Liedern zeigen die fünf­zig Sing­frau­en, unter die sich eini­ge Sänge­rin­nen der befreun­de­ten Berli­ner Sing­frau­en gemischt haben, dass sie ein hoch­klas­si­ger Laien­chor sind.

Als Beglei­ter konn­ten mit dem Klari­net­tis­ten Jürgen Kupke, dem Akkor­deo­nis­ten Hans Hass­ler und dem Perkus­sio­nis­ten Juli­an Sarto­ri­us hervor­ra­gen­de Instru­men­ta­lis­ten gewon­nen werden, die sich dezent im Hinter­grund halten. Scha­de ist allein, dass das Book­let über die sämt­lich in Origi­nal­spra­che gesun­ge­nen Lieder nichts Inhalt­li­ches mitteilt. Nicht nur mit seiner Gesamt­leis­tung über­zeugt der von Fran­zis­ka Welti gelei­te­te Chor, er verfügt auch über eine Reihe von gut ausge­bil­de­ten Stim­men, die in diver­sen Soli einge­setzt werden können.

Origi­nel­les Adventskonzert

Dass den Sing­frau­en das einhei­mi­sche Lied­schaf­fen eben­so am Herzen liegt, beweist etwa die CD “fascht dihei”, die 2011 zusam­men mit dem “schmaz” (schwu­ler Männer­chor Zürich) und den Fränz­lis da Tschlin aufge­nom­men wurde. Lieder aus der Schweiz werden nun auch am Advents­kon­zert gesun­gen, das die Sing­frau­en am Frei­tag in Winter­thur und am Sonn­tag in Andel­fin­gen geben – neben Weih­nachts- und Winter­lie­dern aus ganz Euro­pa. Bekann­te Lieder wie “Es ist ein Ros entsprun­gen” und viele ande­re, weit­ge­hend unbe­kann­te sind da zu entde­cken, geogra­fisch reicht der Bogen von Irland bis nach Geor­gi­en; dazwi­schen spielt das Zürcher Posaunenquartett.

Der Land­bo­te, 12. Dezem­ber 2014

> Weite­re CD-Rezen­sio­nen “ostwärts” auf der Seite Tonträ­ger

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Release­kon­zert der neuen CD/CD-Taufe:

OSTWÄRTSLIEDER AUS DEM OSTEN EUROPAS” 

Über den Teller­rand – Gleich selber zu Medi­en­stars wurden die Winter­thu­rer Sing­frau­en im fernen Geor­gi­en. Vom 4. noch bis zum 17. Okto­ber touren die Sänge­rin­nen durch Geor­gi­en und geben Konzer­te in Tbili­si, Rusta­vi und Batu­mi. Das war einem geor­gi­schen Fern­seh­sen­der einen Beitrag in den Abend­nach­rich­ten wert. Gezeigt wurde das Konzert in Rusta­vi vor vollen Rängen.
40 Sing­frau­en aus Winter­thur und 30 geor­gi­sche Sänge­rin­nen nahmen daran teil. Anschlies­send gab es einen offi­zi­el­len Empfang des Kultur­mi­nis­ters von Rusta­vi. Einen klei­nen Schön­heits­feh­ler hat der Beitrag jedoch. Chor­lei­te­rin Fran­zis­ka Welti wurde im Einblen­der als Präsi­den­tin der “Sing­rau­en Winter­hur” betitelt.

Der Land­bo­te, 14. Okto­ber 2014

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AUFTRITT IM RAHMEN DES MUSIKALISCHEN SPAZIERGANGS DURCH VELTHEIM

…Hinauf zum Fried­hof Rosen­berg. Aus den Gärten stei­gen Früh­lings­düf­te, die in der feuch­ten Luft zum Leben erwa­chen. Im Gehen fällt das Spre­chen leicht. Vorbei am 2003 erbau­ten Krema­to­ri­um mit den licht­durch­läs­si­gen Plat­ten, in die das Gedicht von Klaus Merz einge­las­sen ist, hinein in die reno­vier­te Abdan­kungs­ka­pel­le. Köpfe und Hände wenden sich nach hinten, nach vorne, winken, wollen schau­en, wer da ist und wer noch kommt. Es kommen die Sing­frau­en, ganz in Weiss stehen sie rings um die Bänke und vor den hell­blau und weiss gemal­ten Wänden. Ein Stim­men-Meer bran­det an, verschwin­det im Nu. Gross ist jetzt die Stil­le. “Tiefe Himmel” erschaut das viel­deu­ti­ge Gedicht von Klaus Merz, das Andre­as Stahel eigens für diesen Ort vertont hat. Am Ende will es “mutig gehen”. Die Frau­en schrei­ten singend durch die Gänge, der Gesang schwillt an und ab. Einzel­ne Stim­men sind ganz nah, treten heraus aus dem Gesamt­klang des Kollek­tivs. So schutz­los wirken sie mensch­lich, indi­vi­du­ell, einzigartig…

> Ganzer Text Musi­ka­li­scher Spazier­gang durch Veltheim

Archi­tek­ten-Kollek­tiv Winter­thur, März 2014

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2013
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DAS ALTER DER WELT
Unter­was­ser­oper im Hallen­bad Geisel­weid, Winterthur

Ramo­na Früh

Die Hand­lung der Oper beschreibt die Suche einer alten und einer jungen Frau nach dem Wasser des Lebens, dem Jung­brun­nen. Anstatt eines unend­li­chen Lebens finden sie jedoch Kälte in der unbe­rühr­ten Land­schaft der Eisber­ge. Auf ihrer Suche begeg­nen sie dem Schwert­wal Schwer­mut und sind umge­ben von zwei Chören von Robben. Auch die Chöre, einer davon die Sing­frau­en Winter­thur unter der Leitung von Fran­zis­ka Welti, sangen vom Wasser aus. Bis zur Brust reich­te es ihnen, sie harr­ten dort länge­re Zeit aus, waren später als Eisber­ge verklei­det und schwam­men gegen Ende durchs Becken. Obwohl Welti bekannt ist für Ausser­ge­wöhn­li­ches, dürf­te dieser sehr gelun­ge­ne Einsatz die Frau­en eini­ges an Über­win­dung gekos­tet haben…

Die äusserst geglück­te Kombi­na­ti­on von Chören, Solis­ten, Instru­men­tal­mu­sik und den subma­ri­nen Klän­gen der Antark­tis­for­scher war ganz dem Element Wasser unter­stellt. Die Kompo­nis­tin Susan­ne Stel­zen­bach versteht es, ihre Kompo­si­ti­on an die Klang­welt unter Wasser sorg­fäl­tig und über­zeu­gend anzupassen…

Die Robben, die dem spezi­el­len Unter­was­ser­ge­sang vom Becken­rand aus zuge­hört hatten – aller­dings mit einem Ohr an der Wasser­ober­flä­che – glit­ten ins Wasser und nach einem kurzen, fröh­li­chen Tumult lies­sen sich alle trei­ben. Ohne Bewe­gung lagen sie im Wasser, wurden allmäh­lich zusam­men­ge­trie­ben von der Strö­mung und fanden nahe beiein­an­der die Wärme der ande­ren. Die Schein­wer­fer zauber­ten durch die Refle­xe der Wasser­ober­flä­che ein tänzeln­des Licht an die Wände. Gros­ser Applaus und Jubelrufe.

Der Land­bo­te, 23. Septem­ber 2013

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Jürg Huber

Zum Start der 15. “Musi­ca aperta”-Saison hat Max E. Keller das Team der Unter­was­ser-Oper Berlin nach Winter­thur geholt, wo es zusam­men mit den Sing­frau­en Winter­thur (Leitung Fran­zis­ka Welti) “Das Alter der Welt” aufführ­te. Trei­ben­de Kraft hinter diesem Projekt ist Clau­dia Herr. Die begeis­ter­te Schwim­me­rin und Sänge­rin konn­te Susan­ne Stel­zen­bach für eine Kompo­si­ti­on gewin­nen, die neben Trom­pe­te, Cello und Tuba auch unge­wohn­te Klang­er­zeu­ger einbe­zieht. Während die tradi­tio­nel­len Instru­men­te mit ihren repe­tier­ten Tönen zu Beginn an Nebel­hör­ner erin­nern, tragen Unter­was­ser­schlag­zeug und Unter­was­ser­ge­sang zu einer neuar­ti­gen Klang­um­ge­bung bei, auf der der Chor seine oft sphä­ri­schen Harmo­ni­en entfal­ten kann.

NZZ, 23. Septem­ber 2013

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CD-Rezen­si­on:
chia­ros­cu­ro — sakra­le gesän­ge im wandel der zeit — werke vom 8. bis zum 21. jahrhundert”

Schon nach weni­gen Takten fühlt man sich als Zuhö­rer in eine ande­re Welt versetzt: Eine Theor­be brei­tet einen wohl­klin­gen­den Klang­tep­pich aus, dann setzt eine Kehl­kopf­stim­me mit tiefen Bass­tö­nen ein, dazu summt im Hinter­grund ein Frau­en­chor. Schliess­lich berei­tet ein Serpent melo­disch auf das Folgen­de vor. Und nun ist er da, der Hymnus “Dagen viger”, eine däni­sche Melo­die aus dem 15. Jahr­hun­dert, gesun­gen von den Sing­frau­en Winter­thur und beglei­tet von Saxo­phon und Theor­be. Unter Fran­zis­ka Welt­is Leitung präsen­tie­ren die Sing­frau­en Winter­thur sakra­le Gesän­ge aus Mittel­al­ter, Renais­sance und heuti­ger Zeit. Dabei geht es ihnen nicht um stilis­ti­schen Puris­mus, sondern um die Annä­he­rung der Gegen­sät­ze. Altes wird raffi­niert mit Neuem, Kompo­nier­tes mit Impro­vi­sier­tem, Dunk­les mit Hellem verknüpft. Ja, man könn­te sagen, das Zeit­li­che verbin­det sich mit der Ewig­keit. Zum Hymnus “Mari­am matrem virgi­nem” aus dem 14. Jahr­hun­dert hat Fran­zis­ka Welti mit einem Solo und einem mehr­stim­mi­gen Chor­satz eine moder­ne Schicht hinzu­ge­fügt, die sich naht­los in die alte Musik einfügt. Und der Hymnus “Veni crea­tor spiri­tus” wird von frechen Tuba-Impro­vi­sa­tio­nen beglei­tet. Gesang­lich begeis­tern die Sing­frau­en mit reinen Stim­men, klarer Dikti­on und Enga­ge­ment, so dass Michel Godards Stück “In para­di­sum” mit Händen zu grei­fen ist.

NZZ, 20. Septem­ber 2013

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 2011
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CD-Rezen­si­on:
fascht dihei

Sing­frau­en Winter­thur und schmaz
Platz 10 der besten CDs im 2011:

ZWEI SPITZENCHÖRE MACHEN HEIMATLIEDER VONSTÄGELI UFBIS MANI MATTERSDENE, WOS GUET GEITZU GROSSER KUNST

Die Sing­frau­en Winter­thur (Ltg. Fran­zis­ka Welti) und der schmaz — schwu­ler männer­chor zürich (Ltg. Karl Scheu­ber) — singen und musi­zie­ren zusam­men mit dem Ensem­ble der Fränz­lis da Tschlin an zwei Konzer­ten im Konser­va­to­ri­um Zürich. Die Live­auf­nah­me verei­nigt Stücke der Fränz­lis und Lieder aus der Schweiz, von Matter über Burk­hard bis Beul, vom Volks­lied über den Natur­jo­del bis zur Neukom­po­si­ti­on von Dani­el Fueter.

Die Sing­frau­en Winter­thur wurden 1998 gegrün­det. Die über 40 Sänge­rin­nen pfle­gen eine stilis­ti­sche Viel­falt vom Volks­lied über geor­gi­sches Lied­gut, klas­si­sche Werke der Frau­en­chor­li­te­ra­tur bis zur zeit­ge­nös­si­schen Musik.

schmaz steht seit 1990 für abend­fül­len­de szenisch arran­gier­te Eigen­pro­duk­tio­nen und will mit seinem Gesang immer auch Botschaf­ter für schwu­le Anlie­gen sein. In seinen konzer­tan­ten Program­men erstreckt sich der musi­ka­li­sche Bogen von Schu­bert über Schoeck und Hohler bis hin zur Urauf­füh­rung von für schmaz geschrie­be­nen Kompositionen.

Ils Fränz­lis da Tschlin sind fünf phäno­me­na­le Musiker/innen aus dem Unter­en­ga­din. Sie pfle­gen die tradi­tio­nel­le Volks­mu­sik genau­so sorg­fäl­tig, profes­sio­nell und biswei­len augen­zwin­kernd wie die musi­ka­li­schen Volks­mu­sik-Weiter­ent­wick­lun­gen in den Jazz und ins Weltmusikalische.

Sonn­tags­zei­tung, 11. Dezem­ber 2011

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Begeg­nung 3

FASZINIERENDE FRAUENSTIMMEN

Arnold Sigg

Aufse­hen­er­re­gend: Wohl noch nie sind geor­gi­sche Volks­lie­der in der 908 Jahre alten Müns­ter­kir­che Schaff­hau­sen erklun­gen. Und dabei gleich haufen­wei­se: Liebes-, Tanz- sowie auch sons­ti­ge Volks­wei­sen. Möglich mach­ten das die bekann­ten Sing­frau­en Winter­thur, 38 an der Zahl, sowie der geor­gi­sche Frau­en­chor Tutar­che­la (Mond­licht), bestehend aus zwölf aufge­stell­ten Sänge­rin­nen im Trachtenlook.

Seit 2006 sind die Sing­frau­en und der geor­gi­sche Frau­en­chor freund­schaft­lich mitein­an­der verbun­den, was sich in gegen­sei­ti­gen Besu­chen mani­fes­tiert. Gelei­tet werden die Sing­frau­en Winter­thur übri­gens von der initia­ti­ven Voll­blut­mu­si­ke­rin Fran­zis­ka Welti, welche heute am Konser­va­to­ri­um Winter­thur Gesang unter­rich­tet. Vor zwei Jahren erhielt sie sogar den Kultur­preis der Stadt Winter­thur. Und der Frau­en­chor aus Geor­gi­en steht unter der Leitung der tempe­ra­ment­vol­len Sänge­rin Tamar Buadze.

Das Müns­ter gab den impo­nie­ren­den Rahmen für den gemein­sa­men Auftritt. Gegen zwei­hun­dert Besu­cher, vorwie­gend aus dem zürche­ri­schen Wein­land, kamen in den Genuss eines Frau­en­chor­kon­zer­tes der Super­la­ti­ve mit insge­samt 29 Volks­lie­dern aus Vorder­asi­en und der Schweiz. Übri­gens: Der Nach­hall der Müns­ter­akus­tik stör­te in keiner Weise, ja gehör­te eigent­lich dazu. Denn auch Geor­gi­en ist wie die Schweiz ein gebir­gi­ges Land, und somit ist man mit über­schnei­den­den Echo­lau­ten in Volks­wei­sen vertraut.

Beein­dru­ckend am abwechs­lungs­rei­chen Konzert waren die von beiden Chören gesun­ge­nen Lieder, voller Lebens­freu­de aus dem Folk­lo­re­schatz des multi­eth­ni­schen Kauka­sus, oft umspült mit einer leisen Trau­rig­keit und Melan­cho­lie. Deren exoti­sche und doch vertrau­te Klän­ge berühr­ten die Zuhö­rer unmit­tel­bar. Die Volks­lie­der mit solis­ti­schen Einla­gen lies­sen schwe­re­lo­se, volu­mi­nö­se Klang­tep­pi­che durch die Klos­ter­kir­che schweben.

Mit expres­si­vem und virtuo­sem Gesangs­stil sowie mit unge­wöhn­li­chen Klang­far­ben bril­lier­ten die geor­gi­schen Frau­en allein. Oft beglei­tet von rhyth­mi­schen Zupf­in­stru­men­ten und einer Hirten­flö­te sowie von Tänzen. Die beein­dru­cken­den Volu­men­stär­ken jeder Sänge­rin fielen dabei auf, sodass man gänz­lich der Faszi­na­ti­on dieser geor­gi­schen Frau­en­stim­men erlag. Und gemein­sam mit den Sing­frau­en, nota­be­ne übri­gens alles auswen­dig singend, begeis­ter­ten beson­ders schwei­ze­ri­sche Volks­lie­der, wie “Gang rüef de Bruune” und “S’isch mer alles ei Ding”, mit moder­nem Touch.

Den hinreis­sen­den Abschluss bilde­te der rasan­te origi­nel­le “Moos­ru­ef”. Mit stür­mi­schen Stan­ding Ovations bedank­te sich das Publi­kum nach andert­halb Stun­den für dieses sansa­tio­nel­le Gesangskonzert.

Schaff­hau­ser Nach­rich­ten, 6. Juni 2011

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2010
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in para­di­sum – alte und neue sakra­le gesänge”

Anna Kardos

WENN SINGFRAUEN MIT JAZZERN ANBANDELN

Zürich, Augus­ti­ner­kir­che — Zuge­ge­ben, der Name “Sing­frau­en Winter­thur” kann schon ein wenig nach selbst geba­cke­nem Kuchen und Lied­chen­träl­lern tönen. Aber weit gefehlt! Selten hat man ein Konzert gehört, an dem Amateu­re mit so viel Können und so wenig Nervo­si­tät auftra­ten und an dem so viel Verschie­de­nes zu einem begeis­tern­den Gesamt­bild zusam­men­fand — das war Dialek­tik von ihrer sinn­lichs­ten Seite! Man stel­le sich vor: Rund 40 Laien­sän­ge­rin­nen studie­ren mit ihrer Diri­gen­tin Fran­zis­ka Welti ein knapp zwei­stün­di­ges Programm auswen­dig (!) ein. Sie tun sich mit illus­tren Jazzern wie Pierre Favre, Michel Godard und Gavi­no Murgia zusam­men; sie impro­vi­sie­ren, treten solis­tisch auf und insze­nie­ren die Musik auch räum­lich — das alles mit fast para­die­si­scher Selbstverständlichkeit.

in para­di­sum” heisst auch ihr Programm mit reli­giö­sen Gesän­gen, die entwe­der aus dem Mittel­al­ter und der Renais­sance (von Hraba­nus Maurus bis Orlan­do die Lasso) oder aus unse­rer Zeit (etwa von Agne­ta Sköld, Michel Godard) stam­men. Ob alt oder neu, beiden Arten von Musik gemein war die klin­gen­de Spiri­tua­li­tät. Auch dem Chor war sie nicht fremd. Sanft und hell klan­gen die Stim­men, sorg­sam achte­te man auf den Zusam­men­klang, und gera­de­zu liebe­voll traf man sich auf den Schluss­ak­kor­den — einträch­tig, fast wie in einem Frau­en­klos­ter. Wenn dann eini­ge Höhen mal nicht so strahl­ten, lag es in der Natur der Dinge. Gestört hat sich daran niemand.

Damit einem so viel weib­li­cher Gesang nicht zu viel werden konn­te, setz­te Michel Godard mit Flügel­horn und brum­men­der Tuba einen Kontra­punkt. Und Gavi­no Murgi­as Kehl­kopf­ge­sang sowie Favres Schlag­zeu­so­li, die manch­mal an buddhis­ti­sche Musik erin­ner­ten, öffne­ten den Hori­zont zur Reli­gi­on ande­rer Kultu­ren. Auch hier wieder: Gegen­sät­ze, die wunder­bar zusam­men­klan­gen — aber da hatte man schon gar nichts ande­res mehr erwartet.

Tages-Anzei­ger, 9. März 2010

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2007
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FARBIGER MUTTERLÄNDISCHER LIEDERKRANZ

Ramo­na Früh

…“Aus Helve­ti­as Fundus — ein mutter­län­di­scher Lieder­kranz” heisst das aktu­el­le Programm der Sing­frau­en Winter­thur, das am Sonn­tag­abend im Thea­ter am Gleis Premie­re hatte. Wer bei diesem Titel an etwas altmo­di­sche, verstaub­te Volks­lie­der denkt, liegt beim “etwas ande­ren Frau­en­chor” völlig falsch. Fran­zis­ka Welti hat mit den rund fünf­zig Frau­en ein beein­dru­cken­des Programm mit tradi­tio­nel­len, teils unbe­kann­ten, teils ohrwum­ver­däch­ti­gen Liedern einstu­diert. Dass die Sing­frau­en mit ihren Konzer­ten entzü­cken können, hat sich schon herumgesprochen…

Perlen der Schwei­zer Musik

…Bei den Anwe­sen­den … riefen die tradi­tio­nel­len Schwei­zer Volks­lie­der viele Erin­ne­run­gen wach… Es war eine Rück­be­sin­nung auf die eige­ne Heimat, welche Fran­zis­ka Welti mit dem kontrast­rei­chen und doch stilis­tisch ausser­or­dent­lich stim­mi­gen Programm ins Werk gesetzt hat… Beispiels­wei­se das Lied “Anne­li, wo bisch geschter gsi” und das “Guggis­ber­ger­lied” präsen­tier­ten die Sing­frau­en in geschmack­vol­len Arran­ge­ments von Mari­an­ne Raci­ne, während sie in “Du fragsch mi wär i bi” nur schon durch die wunder­schö­ne Ausfüh­rung und die Ausge­wo­gen­heit von erster und zwei­ter Stim­me gefie­len… “Es wott es Frau­e­li z’Märit gah” studier­ten sie eben­so auswen­dig und mit klei­ner Choreo­gra­fie ein wie das unbe­kann­te­re “D’Appezeller Määte­li”. Nie aufge­setzt wirk­ten die Bebil­de­run­gen der Lieder durch die Choreo­gra­fin Nelly Büttiko­fer. …doch beson­ders die trau­ri­gen Lieder berühr­ten, und der volle Klang des Chores kam hier beein­dru­ckend zur Geltung…

Eine souve­rä­ne Leistung

Eine weite­re Tradi­ti­on stell­ten die gejo­del­ten “Zäuer­li” dar, die die Frau­en mit Juch­zern, Kuhge­läut, Taler­schwin­gen und Händen in den Hosen­ta­schen in verschie­de­nen Liedern wie dem “Chüehrei­he­li” oder dem “Vill­gau­er” so bestechend darstell­ten, als wenn sie nie etwas ande­res gesun­gen hätten. Das Trio Vivi­en­do unter­stütz­te den Chor durch­wegs mit dezen­ten bis anspruchs­vol­len Klän­gen… Alle Betei­lig­ten haben die gros­se Heraus­for­de­rung souve­rän gemeistert.

Der Land­bo­te, 6. Novem­ber 2007

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Begeg­nung 1

WENN FRAUENGESANG LÄNDER VERBINDET

Mari­sa Eggli

Was im letz­ten Okto­ber in Geor­gi­en begann, geht nun in Winter­thur weiter: die Begeg­nung der Frau­en­chö­re “Tutar­che­la” und “Sing­frau­en”.

Sie sind wirk­lich spon­tan: Weil dem Foto­gra­fen das Licht im Saal der Kirch­ge­mein­de Velt­heim zu dunkel ist, proben die “Sing­frau­en” mit ihren zwölf Besu­che­rin­nen aus Geor­gi­en halt im Garten. Und wollen nach den gemach­ten Bildern kaum mehr rein… Eini­ge von ihnen haben sich länger nicht mehr gese­hen, genau­er seit dem letzen Okto­ber, als ein Teil der “Sing­frau­en” bei den Frau­en von “Tutar­che­la” in Geor­gi­en zu Besuch war…

Verstän­di­gung ohne Worte

Bereits vor eini­gen Jahren hatten wir ein geor­gi­sches Lied in unse­rem Reper­toire”, sagt Fran­zis­ka Welti, Grün­de­rin der “Sing­frau­en”. Als diese dann einen Film der deut­schen Doku­men­tar­fil­me­rin Ruth Olshan über geor­gi­sche Musik gese­hen hatte, nahm sie Kontakt auf zum porträ­tier­ten Frau­en­chor. Die Freund­schaft mit “Tutar­che­la” fand ihren Anfang.

Mitein­an­der spre­chen können die Frau­en zwar kaum… Dafür hätten sie stun­den­lang zusam­men gesun­gen, geprobt und getanzt… So haben die “Sing­frau­en” 30’000 Fran­ken an Spon­so­ren­gel­dern gesam­melt, um diesen Austausch zu ermög­li­chen und gemein­sam mit “Tutar­che­la” in der Schweiz auftre­ten zu können.

Jung und doch renommiert

Erst 2004 gegrün­det, hat der Chor “Tutar­che­la” bereits viele Auszeich­nun­gen und Prei­se in Geor­gi­en gewon­nen… Für die Konzer­te haben die Frau­en von “Tutar­che­la” als auch die “Sing­frau­en” Volks­lie­der aus dem Reper­toire des andern Chors gelernt, damit sie an den Auftrit­ten auch einen gemein­sa­men Teil haben.

So singen Geor­gie­rin­nen und Schwei­ze­rin­nen gemein­sam “Du fragsch mi, wer i bi” auf Bern­deutsch mit so viel Sehn­sucht, dass sogar der Foto­graf Gänse­haut bekommt…

Der Land­bo­te, 12. Mai 2007

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2006
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VOGELFREIESINGFRAUENTOUR DU MONDE

…Die Winter­thu­rer “Sing­frau­en” zogen ande­re Saiten auf. Die mit gut fünf­zig Sänge­rin­nen leicht stär­ke­re Forma­ti­on beschränk­te sich bei diesem Anlass auf Volks­lie­der aus dem nähe­ren Kultur­kreis sowie aus Osteu­ro­pa. Auch wenn die Frau­en­the­ma­tik in diesem Ensem­ble sicher­lich nicht ausge­blen­det wird, so geht es Fran­zis­ka Welti doch in erster Linie um die Musik, und dafür nehmen die Sänge­rin­nen immer wieder anstren­gen­de Stimm­bil­dungs­lek­tio­nen in Kauf. Ein dyna­mi­scher und wand­lungs­fä­hi­ger Klang sind die Früch­te dieser Bemü­hun­gen. Und auch dieser Chor verfügt mit Mayte Frey und Nina Kuhn über stimm­lich bestens präpa­rier­te Solistinnen.

Nach der Pause fusio­nier­ten die beiden Ensem­bles zu einem Frau­en­chor von ansehn­li­cher Grös­se. Sprit­zi­ge Volks­lie­der von Südafri­ka über den Balkan bis in die Schweiz brach­ten die Sänge­rin­nen wie auch das Publi­kum in Bewe­gung. Mit Poppi­gem und Welt­mu­sik aus England, USA und Südafri­ka wurde schliess­lich der Bogen zurück zum Reper­toire der “Vogel­frei­en” gespannt. Zwar zeig­ten sich die Frau­en auch a cappel­la stark, doch ohne die Musi­ke­rin­nen Cris­ti­na de Simo­ni (Klavier), Violet­ta Mano­jan (Akkor­de­on), Sibyl­le Raths (Perkus­si­on) und Jojo Kunz (Kontra­bass) hätte der Abend an Rhyth­mus und Farbig­keit viel einge­büsst. Der Lärm der vorbei­ei­len­den Züge am Lager­platz 27 mach­te den Akteu­rin­nen zuwei­len arg zu schaf­fen, war aber der Preis für diese in mehr als einer Hinsicht coole Loca­ti­on auf dem Sulzerareal.

Der Land­bo­te, 19. Juni 2006

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2005
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MAGNIFICATFRAUENCHORMUSIK AUS ITALIEN

…Genau diese Affi­ni­tät der Frau­en zum Singen in der Gemein­schaft hält seit sechs Jahren die “Sing­frau­en Winter­thur” zusam­men. Die Diri­gen­tin Fran­zis­ka Welti versteht es dabei, dem Frau­en­ge­sang durch ein breit gefä­cher­tes Reper­toire immer wieder neue Facet­ten abzu­ge­win­nen. Über die geist­li­chen Gesän­ge aus der Renais­sance taste­te sich der Chor über ein “Ave Maria” von Zoltan Koda­ly ziel­si­cher an die Volks­lie­der aus Osteu­ro­pa heran. Unter wech­seln­der instru­men­ta­ler Beglei­tung und mit kehli­gem Gesang der Osteu­ro­päe­rin­nen gewan­nen die tempe­ra­ment­vol­len Sing­frau­en schliess­lich gänz­lich die Herzen des Publikums.

Der Land­bo­te, 10. Juli 2005

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2003
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BEZIRKSGESANGSFEST IN SEUZACH

…Sie kamen, sangen und sieg­ten: Wo immer die Sing­frau­en Winter­thur auftre­ten, hinter­las­sen sie freu­dig beweg­te Gemüter.

Erfolgs­ge­schich­ten haftet im Nach­hin­ein gerne Mühe­lo­sig­keit an. Doch vor den Erfolg haben die Götter den Schweiss gesetzt, aber das lies­sen die über vier­zig singen­den Frau­en unter der so ener­gi­schen wie kompe­ten­ten Leitung Fran­zis­ka Welt­is leicht verges­sen … zum ande­ren eine finan­zi­el­le Bezu­schus­sung ihrer Vene­di­g­rei­se, die in Kürze bevor­steht. Vom 15. bis zum 18. Mai werden die Sing­frau­en Winter­thur an einem euro­päi­schen Chor­tref­fen in Vene­dig teil­neh­men, sich dem Wett­be­werb stel­len, neue Impul­se sammeln und schliess­lich auch die Lagu­nen­stadt geniessen …

Zunächst galt das Inter­es­se dem klas­si­schen Chor­ge­sang. Ein Früh­lings­ka­non von Orlan­do di Lasso mach­te den Anfang, es folg­ten geist­li­che Lieder und auch schwär­me­ri­sche welt­li­che Gesän­ge. Der zwei­te Teil war der leich­te­ren Muse gewid­met, mit Volks­lie­dern aus Maze­do­ni­en, Kroa­ti­en, der Schweiz und Itali­en. Selbst ameri­ka­ni­sche und jiddi­sche Klän­ge fehl­ten nicht. Das Problem der Instru­men­tal­be­glei­tung — christ­li­che Kirchen­mu­sik arbei­tet nun mal gerne mit dem Orgel­klang — war durch das Spiel des Akkor­deo­nis­ten Mario Porre­ca mehr als provi­so­risch gelöst worden. Und als sei die Leitung ihres Chores nicht schon Anfor­de­rung genug, griff Welti auch noch höchst persön­lich zur Trom­mel. Man mag es den enga­gier­ten Sing­frau­en aus Winter­thur gönnen, dass ihre Arbeit an der Stim­me, an musi­ka­li­schen Lini­en und viel­spra­chi­gen Diktio­nen in Vene­dig eben­so viel Bewun­de­rung findet wie in der Heimat. Ein begeis­tert geraun­tes “isch das schön gsi” war an diesem Nach­mit­tag jeden­falls öfter zu vernehmen…

Der Land­bo­te, 15. April 2003

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JUBILÄUM 20 JAHRE FRAUENMUSIKFORM SCHWEIZ

…Zauber­sprü­che, Gemur­mel, wellen­ar­ti­ge Klän­ge, Wort­stü­cke, vermischt mit Tonef­fek­ten, und die Span­nung zwischen Klas­sik und Moder­ne, das Konzert der “Sing­frau­en” am Sams­tag im Konser­va­to­ri­um hat gefordert.

Volks­lie­der und Zauber­sprü­che heisst die Kompo­si­ti­on der Winter­thu­rer Kompo­nis­tin Regi­na Irman, die sie als Auftrags­ar­beit für die “Sing­frau­en” geschrie­ben hat… Den Teil der Volks­lie­der hat Regi­na Irman aus jiddi­schen und russi­schen Liedern zusam­men­ge­stellt, wobei die Klän­ge und Klang­far­ben eine zentra­le Rolle gespielt haben… Neben den moder­nen Klang­ex­pe­ri­men­ten von Regi­na Irman haben die “Sing­frau­en” in Beglei­tung von Instru­men­ten auch Klas­si­ker der Chor­mu­sik gesun­gen: O dulcis Jesu, Surga­mus omnes, Gloria in altis­si­mis Deo und Lauda­te Pueri… Vor 20 Jahren gegrün­det, setzt sich das Frau­en­mu­sik­fo­rum weiter­hin für Musik schaf­fen­de Frau­en ein. Das Konzert vom Sams­tag ist für den 20. Geburts­tag des Frau­en­mu­sik­fo­rums einge­übt worden. Das Forum selbst hat eine Ausstel­lung lanciert: “Frau und Musik eine Erfolgs­ge­schich­te” verschafft einen Über­blick über Kompo­nis­tin­nen und Musi­ke­rin­nen verschie­de­ner Epochen, deren Ruhm und deren Bemü­hun­gen um Anerkennung…

Der Land­bo­te, 10. Dezem­ber 2002

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2002
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SOMMERKONZERT

…Die Sing­frau­en haben für ihr Sommer­kon­zert gleich ein ganzes Orches­ter aufge­bo­ten — und dieses besteht zudem vorwie­gend aus Akkor­de­ons… Mit dem dyna­mi­schen kroa­ti­schen Volks­lied “Grad se beli”, “Golde­ne Boos”, einem lich­ten­stei­ni­schen Lied über die Hinrich­tung einer Räube­rin und der Adap­ti­on des brasi­lia­ni­schen “Orfeo Negro” ist die Stimm­ge­walt des Chors zwischen­durch a cappel­la zu bewun­dern. Ausnahms­los rein werden die verschie­de­nen Stim­men into­niert; gesun­gen wird zumeist auswen­dig und mit bemer­kens­wer­ter Präsenz… Mit “Besa­me Mucho” ist noch einmal die harmo­ni­sche Inter­ak­ti­on der Sing­frau­en mit dem Orches­ter zu genies­sen, welche hernach in einem hypno­ti­sie­ren­den “Dalma­ti­ni­schen Tanz” und dem maze­do­ni­schen “Sto mi e milo” ihren Höhe­punkt erreicht…

Der Land­bo­te, 8. Juli 2002

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NACHTGESÄNGE
ein musi­ka­lisch-lite­ra­ri­sches Nachtprogramm

Licht­ster­ne über­sä­ten Decke und Wand. Leise tönte ein Lied. Die Sänge­rin­nen blie­ben unsicht­bar. Erst allmäh­lich stie­gen sie, wie im Schein von Later­nen, die seit­li­chen Trep­pen herab… Die Frau­en­stim­men fanden ihren Kontrast in der tiefen Stim­me des Cellos von Vera Bauer. Mit impro­vi­sier­ten Klän­gen bette­te die Spre­che­rin und Musi­ke­rin ihre Rezi­ta­tio­nen ein… Ins Programm wurden burles­ke Texte wie “Der Zwölf-Elf” von Chris­ti­an Morgen­stern und humo­ris­ti­schen Noten wie Mascha Kalé­kos “Stick­mus­ter­spruch fürs Kopf­kis­sen” aufge­nom­men. Aber auch schwer­mü­ti­ge Gedan­ken, welche die Nähe der Nacht zum Tode thema­ti­sier­ten, wie Luisa Famos’ Gedicht “Der Flügel des Todes hat mich berührt”… Das Publi­kum war von den “Nacht­ge­sän­gen” begeis­tert. Die Lust der Frau­en am Singen und ihre Ausstrah­lung haben den Funken zum Sprin­gen gebracht. Die attrak­ti­ve Programm­ge­stal­tung mit Vera Bauers durch­drin­gen­den Rezi­ta­tio­nen und der stim­mungs­vol­le Rahmen mach­ten diesen Abend zu einem beson­de­ren Erlebnis…

Der Land­bo­te, 29. Janu­ar 2002

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2001
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GEISTLICHE MUSIK AUS VERSCHIEDENEN JAHRHUNDERTEN
gemein­sa­mes Konzert mit dem Vokal­ensem­ble vox feminae

…Die Chor­lei­te­rin Fran­zis­ka Welti hatte für dieses Konzert sinn­vol­le Texte von namhaf­ten Kompo­nis­ten musi­ka­lisch verar­bei­tet, ausge­wählt und einstu­diert. Mit klarer, prägnan­ter Diri­gier­wei­se führ­te sie animie­rend durch die abwechs­lungs­rei­che Folge der anspruchs­vol­len Werke. Volle Aufmerk­sam­keit und Freu­de am gemein­sa­men Musi­zie­ren führ­ten zu vorzüg­li­chem Chor­klang, perfek­ter Ausspra­che und einer leben­di­gen, beseel­ten Dyna­mik… Skep­ti­ker, welche glau­ben, Frau­en­chö­ren fehle es an Tiefe und Kraft, wurden bei diesem Konzert eines Besse­ren belehrt.

Der Land­bo­te, 29. Mai 2001
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2000
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FRAUENCHORKONZERT
gemein­sa­mes Konzert mit dem Serpent-Chor Zürich

Viel Applaus ernte­ten der Serpent-Chor aus Zürich und die Sing­frau­en Winter­thur am Sonn­tag­abend im Salz­haus… Beide Chöre glänz­ten mit vita­ler Ausstrah­lung, Präzi­si­on sowie frischem, star­ken Klang…

Der Land­bo­te, 29. Mai 2000
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1999
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Jubi­lä­ums­ver­an­stal­tung der Tuch­re­form Winterthur:

TEXTILES LIEDERSET
zum Thema spin­nen – weben – schneidern

Die Sing­frau­en Winter­thur unter­hiel­ten das Publi­kum mit einer viel­sei­ti­gen Darbie­tung vom Tango bis zum maze­do­ni­schen Liebes­lied. Ein Fest im Klei­nen. Köst­lich war vor allem auch die komö­di­an­ti­sche Einla­ge über die Freu­den und Leiden des Strickens.

Textil­ar­beit und Werken, Novem­ber 1999